Startvorbereitungen Start ins Ungewisse Der Weg zum Mond Die Auserwählten
Einschuss in den Mondorbit Die Landung one small step ... Leben an Bord
Die Menschen dahinter Zurück auf der Erde Epilog
40 Jahre Mondlandung

Kapitel 2 - Start ins Ungewisse - 2/3

16. Juli 1969

Die heiße Phase des Countdowns

In der Startzentrale nahmen nun die obersten Chefs ihre Plätze ein: Dr. Kurt Debus, Direktor des Kennedy Space Center; Jack King, der offizielle Sprecher des Startkontrollzentrums; Dr. Hans Gruene, der aus Braunschweig stammende, für die Montage der Saturn V verantwortliche Ingenieur; der österreichische Dr. George Low, Chefmanager des Apollo-Programms; schließlich noch Rocco Petrone, der Startleiter.

T-16:00 min. Das Apollo-Raumschiff wird auf Bordstrom umgeschaltet.
T-6:00. Jack King: 'Apollo 11 is ready to go'
T-4:00. Die Funksysteme werden zum letzten Mal gecheckt. Die Kommunikation erfolgt nun über Funk.
T-3:10. Das Feuerkommando und damit die Schlußphase des Countdowns wird ausgelöst. Die Treibstoffe werden nun stufenweise auf Startdruck gebracht.
T-2:54. Mit einem leichten Knall öffnen sich die Ventile der ersten Stufe, Helium strömt in die Flüssigsauerstofftanks.
T-2:00. Alle Treibstoffbehälter der Oberstufen werden unter Druck gesetzt, die Lüftungsventile geschlossen.
T-1:50. Der Startcompuer überprüft nochmals die Werte der Sensoren. 'Booster System is go' klingt es aus den Lautsprechern.
T-0:09. 'Ignition, we have ignition.' - Zündung. An der Unterseite der Rakete wallen Rauchwolken auf, die aber sofort vom nach unten gerichteten Feuerschwall mitgerissen werden. Mit der Macht eines Vulkans brüllen die fünf Starttriebwerke auf die darunterliegende Flammengrube, prallen auf den keilförmigen Deflektor, werden um 90° umgelenkt und stoßen - wie zwei gigantische Fackeln - links und rechts an der Startrampe heraus. Das Flammeninferno trifft auf tausende Wasserstrahlen, die in Fontänen aus Düsen der Flammengrube austreten. Das riesige Dampfpolster schützt die Startrampe vor Hitze und vor dem gigantischen Schalldruck, der die gesamte Anlage zerstören kann.

Brüllender Start

Noch halten die übermannshohen Stahlklammern die Rakete auf der Abschußrampe fest. Noch ist es auf der Ehrentribüne ruhig, die Schallwellen des orkanartig ausbrechenden Feuersturms haben die 5 Kilometer entfernten Gäste noch nicht ereilt. Die Stahlklammern schlagen zurück, gleichzeitig schwenken die oberen Brücken des Startturms zur Seite, Kabelanschlüsse lösen sich. Die 110m hohe Rakete erhebt sich langsam majestätisch. Von ihren Flanken lösen sich zentimeterdicke Eisplatten - Kondenswasser, das an den Isolierwänden rund um die Tanks gefroren war. Das Eis verdampft kurz darauf als es die Flammengrube erreicht. Nun schießen auch Wasserfontänen aus dem Startturm, um ihn zu kühlen. Mit einer millionstel Sekunde Verspätung hebt um 9.32 Uhr Ortszeit die Saturn V von der Startrampe ab. 'Lift off, we have lift off' schallt Jack Kings Stimme aus dem Lautsprecher - Jubel bricht aus. Hunderttausende Menschen die den Start verfolgten, brechen in Freudentaumel aus. Das Donnern der Triebwerke erreicht nun die Ehrentribüne. Die Erde bebt. Aus dem Inferno von Qualm, Wasserdampf und Flammen steigt die Saturn V mit dem Apollo 11 Raumschiff an ihrer Spitze in den Himmel.

Das Abenteuer beginnt

Apollo 11 war auf dem Weg. Armstrong, Collins und Aldrin wurden auf ihren Liegesitzen regelrecht durchgeschüttelt. Alle fünf Triebwerke arbeiteten mit voller Schubkraft: 13.000 Liter Treibstoff pro Sekunde verbrannten. Die Pulsfrequenz der drei Astronauten beschleunigte sich auf 110 bei Armstrong, 99 bei Collins und 88 bei Aldrin. Dann kam die erste Meldung Armstrongs: 'Wir fühlen uns sehr wohl. Alles in Ordnung.'
Start Apollo 11
Start von Apollo 11
Apollo 11
Apollo 11 kurz nach dem Start
Apollo 11
Apollo 11 in der Atmosphäre

161 Sekunden lang arbeiteten die Raketentriebwerke der ersten Stufe. 2150 Tonnen Treibstoff verbrannten und brachten das Raumschiff auf eine Höhe von 61 km. Bei 9.900 km/h war Brennschluss. Die 42 Meter lange Boosterstufe 1 wurde mittels Sprengbolzen abgesprengt, blieb zurück und stürzte sieben Minuten später in den Atlantik. Die zweite Stufe, ebenfalls mit fünf Triebwerken bestückt, zündete und brachte das Raumschiff auf eine Höhe von 182 km und eine Geschwindigkeit von 24.000 km/h. 390 Sekunden nach dem Start hat die zweite Stufe ihre 447 t Treibstoff verbraucht und wurde abgesprengt.
Das Triebwerk der dritten Stufe zündete. Apollo 11 schwenkte exakt in die Park-Umlaufbahn um die Erde ein. Als das Raumschiff eine Geschwindigkeit von 28.000 km/h erreicht hatte, hatte es die erste Etappe vollbracht - den Erdorbit.
Nun wurden alle Systeme der verbleibenden Rakete (Apollomodul, Landefähre und dritte Raketenstufe) überprüft und Bahnkorrekturen vorgenommen.

Die Arbeit in der Startzentrale des Kennedy Space Centers war erledigt. Es übernahm nun das Flugkontrollzentrum in Houston, das den kompletten Flug außer dem Start leitete - hier liefen alle Entscheidungen bezüglich des Fluges zusammen. Neben dem Platz des Flugdirektors in der letzten Reihe saß der diensthabende Chefarzt, der den Gesundheitszustand der Astronauten überwachte. Daneben saß der CAPCOM (Capsule Communicator), ein Astronaut, der den Funkkontakt mit dem Raumschiff hielt. An anderen Terminals saß das zuständige Personal für Bahnberechnungen, Navigation, Antriebssysteme, Überwachung der Drucksysteme und Temperaturen, Sauerstoffversorgung etc. Die Flugleitung war auf diese Weise besser über die Situation von Apollo 11 informiert als die Astronauten selbst. Zudem gab es weitere 14 Kontrollstationen auf dem Globus verteilt, vier Schiffe zur Funkverbindung sowie Radarflugzeuge zur Überwachung der Parkbahn, wo sich Apollo 11 nun befand.

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